Webflow polarisiert. Für die einen ist es das beste Tool für professionelles Webdesign, für die anderen ein überbewertetes System. Zwischen Begeisterung und Ablehnung entstehen schnell Missverständnisse. Mythen, die sich halten, obwohl sie längst nicht mehr zutreffen. Oder die nie gestimmt haben.
In diesem Artikel nehme ich fünf der häufigsten Webflow-Mythen unter die Lupe. Und erkläre, was dahinter steckt, was dran ist und wo die Realität anders aussieht.
Mythos 1: Webflow ist nur ein Baukasten
Das ist die häufigste Fehleinschätzung. Webflow wird oft mit Wix, Squarespace oder Jimdo in einen Topf geworfen. Aber das ist wie ein Vergleich zwischen einem Fertighaus und einem maßgeschneiderten Entwurf.
Baukastensysteme arbeiten mit vorgefertigten Templates, die angepasst, aber nicht grundlegend verändert werden können. Webflow hingegen ist ein visuelles Entwicklungstool. Du gestaltest nicht in einem eingeschränkten Editor, sondern direkt im Code, nur ohne Code zu schreiben.
Das bedeutet: Volle Kontrolle über jedes Element, jede Animation, jede Struktur. Du bist nicht an Templates gebunden. Du baust die Website von Grund auf, genau so, wie sie gebraucht wird. Und das Ergebnis ist sauberer, semantischer HTML-, CSS- und JavaScript-Code.
Webflow richtet sich an Menschen, die professionelle Websites entwickeln wollen, aber nicht den gesamten Entwicklungsprozess in Code abbilden möchten. Es ist kein Baukasten. Es ist ein Werkzeug für Designer:innen und Entwickler:innen, die visuell arbeiten, aber technisch anspruchsvoll bleiben wollen.
Mythos 2: Webflow ist teuer
Stimmt. Und stimmt nicht.
Ja, Webflow kostet monatlich Geld. Ein CMS-Plan liegt bei rund 23 Euro pro Monat. Das ist mehr als bei Baukastensystemen oder einer einfachen WordPress-Installation.
Aber: Webflow beinhaltet Hosting, SSL, Backups und Performance-Optimierung. Bei WordPress kommen Hosting, Plugins, Themes, Wartung und Sicherheitsupdates dazu. Viele Unternehmen zahlen monatlich mehrere hundert Euro, um eine WordPress-Website sicher und performant zu halten.
Webflow hat keine versteckten Folgekosten. Es gibt keine Plugin-Abhängigkeiten, keine regelmäßigen Sicherheitsupdates, keine manuelle Wartung. Das spart Zeit, Nerven und langfristig Geld.
Auch die Entwicklungskosten sind oft niedriger. Webflow ermöglicht schnellere Umsetzung, weil viele Funktionen nativ verfügbar sind. Langfristig ist Webflow oft günstiger als Alternativen, die nach außen günstig wirken, aber hohe Folgekosten produzieren.
Mythos 3: Webflow ist nicht flexibel genug
Dieser Mythos hält sich hartnäckig, vor allem bei Menschen, die mit offenen Systemen wie WordPress arbeiten. Dort gibt es für fast jede Funktion ein Plugin. Webflow hingegen ist ein geschlossenes System. Und das führt zu dem Eindruck, es sei eingeschränkt.
Aber: Webflow ist flexibel, nur auf andere Weise.
Statt auf Plugins zu setzen, bringt Webflow viele Funktionen bereits mit: CMS, Formulare, Animationen, SEO-Einstellungen, E-Commerce. Alles nativ integriert, aufeinander abgestimmt und ohne Kompatibilitätsprobleme.
Wo Webflow native Funktionen nicht bietet, lassen sich externe Tools einbinden: Zapier, Make, Memberstack, Finsweet Attributes, oder custom Code. Die Flexibilität liegt nicht in der Menge an Plugins, sondern in der Möglichkeit, saubere, durchdachte Lösungen zu bauen.
Wer Webflow als unflexibel empfindet, sucht oft nach Lösungen, die es in Webflow gar nicht braucht. Oder die besser durch durchdachtes Design gelöst werden als durch ein weiteres Plugin.
Mythos 4: Webflow ist nur für Designer, nicht für Entwickler
Webflow wird oft als Designer-Tool wahrgenommen. Und das stimmt, in gewisser Weise. Es ermöglicht Designer:innen, ohne Code zu entwickeln. Aber das heißt nicht, dass es sich nicht für Entwickler:innen eignet.
Im Gegenteil: Webflow ist ein mächtiges Werkzeug für Menschen, die Code verstehen. Wer weiß, wie HTML, CSS und JavaScript funktionieren, kann Webflow deutlich weiter ausreizen. Custom Code, API-Integrationen, erweiterte Animationen, komplexe CMS-Strukturen: All das ist möglich.
Webflow ersetzt nicht das Programmieren. Es beschleunigt es. Statt jeden Button, jede Box, jeden Abstand manuell in Code zu schreiben, arbeitest Du visuell und bekommst sauberen, semantischen Code zurück.
Für Entwickler:innen, die effizienter arbeiten wollen, ohne auf technische Tiefe zu verzichten, ist Webflow ein echtes Upgrade.
Mythos 5: Webflow ist ein Vendor Lock-in
Ein häufiger Einwand: Webflow ist ein geschlossenes System. Wer einmal drin ist, kommt nicht mehr raus. Die Website ist an Webflow gebunden, der Code nicht übertragbar, die Daten nicht exportierbar.
Das stimmt. Und es stimmt nicht.
Ja, Webflow ist ein Hosting-Plattform. Die Website läuft auf Webflows Servern. Und ja, ein Wechsel zu einem anderen System erfordert Aufwand. Aber das gilt für jedes CMS. Auch ein Wechsel von WordPress zu einem anderen System ist kein Spaziergang.
Was viele nicht wissen: Webflow bietet einen Code-Export. Du kannst den HTML-, CSS- und JavaScript-Code herunterladen und auf einem eigenen Server hosten. Das ist mit Business- oder Enterprise-Plänen möglich. Damit bist Du nicht komplett an Webflow gebunden.
Auch die CMS-Daten lassen sich exportieren. Inhalte, Bilder, Strukturen: alles kann über die API oder als CSV-Export abgerufen werden. Webflow hält Deine Daten nicht fest.
Der eigentliche Punkt ist: Wer Webflow nutzt, tut das meist, weil es funktioniert. Nicht, weil es keine Alternative gibt, sondern weil es die beste Lösung für das jeweilige Projekt ist. Ein Vendor Lock-in ist nur dann ein Problem, wenn das System nicht liefert. Webflow liefert.
Fazit: Was stimmt, was nicht?
Webflow ist kein Baukasten. Es ist kein überteuertes Tool. Es ist nicht unflexibel, nicht nur für Designer und kein absolutes Lock-in.
Aber: Webflow ist nicht für jedes Projekt die beste Wahl. Wer eine einfache Visitenkarte braucht, ist mit einem simplen Baukasten gut bedient. Wer extrem komplexe, individuell programmierte Webanwendungen entwickelt, braucht eventuell ein anderes System.
Für professionelle Websites, die schnell, sicher und flexibel sein sollen, ist Webflow eine hervorragende Lösung. Es verbindet Design und Entwicklung, spart langfristig Kosten und ermöglicht volle Kontrolle über das Ergebnis.
Wer Webflow ausprobieren möchte, sollte sich nicht von Mythen abschrecken lassen. Sondern selbst testen, verstehen und entscheiden. Denn am Ende zählt nicht, was andere sagen. Sondern was für Dein Projekt funktioniert.