5.6.2024

Wie Du eine Website mit AI erstellst (und warum Du es nicht tun solltest)

Minimalistische Illustration von drei verschiedenfarbigen Bausteinen, die aufeinander gestapelt sind. Rechts darüber befinden sich drei kleine Sterne (Übliches Icon für Künstliche Intelligenz)

Warum Tausende Euro für eine Website ausgeben, wenn man es mit einer AI schneller und viel günstiger machen kann? Früher undenkbar, heute Realität. Aber ist das wirklich das Ende von Webdesign, wie wir es kennen?

Künstliche Intelligenz fasziniert mich. ChatGPT ist aus meinem Arbeitsalltag mittlerweile nicht mehr wegzudenken: Es hilft mir beim Coden, korrigiert meine Texte, spuckt mir Ideen aus. Unterstützt mich sogar beim Sprachenlernen.

Als Ende 2022 MidJourney und DALL-E aufkamen, konnte ich stundenlang auch den letzten Tropfen Kreativität aus mir herausquetschen, um immer und immer neue Bilder zu generieren.

Und auch in den “gewöhnlichen” Tools von Microsoft, Adobe & Co., die ich tagtäglich nutze, stecken immer bessere KI-Integrationen. Das macht mir nicht nur meinen Arbeitsalltag leichter, sondern versetzt mich auch regelmäßig ins Staunen. Mind = blown.

Mensch vs. Maschine

So spannend dieses KI-Thema ist, so bedrohlich ist es auch. In Gesprächen werde ich deshalb immer wieder gefragt: "Hast du nicht Angst, dass KI bald deinen Job wegnimmt?”

Trotz dass ich in dieser Hinsicht zur Zeit noch sehr locker bin (dazu später mehr) – diese Frage ist absolut berechtigt.

Denn wie oben schon erwähnt: Die freundliche KI vom Browserfenster nebenan ist schon längst mein treuer “Mitarbeiter”, wenn es um die Entwicklung von Websites geht.

Es dürfte zwar noch eine Weile dauern, bis wir die Plätze tauschen und ich der AI assistiere. Aber schon jetzt ist es möglich, fast die ganze Arbeit von der Künstlichen Intelligenz machen zu lassen.

Webdesign mit AI - Drei Level

Level 1: AI als Code-Support

Mein täglicher Anwendungsbereich sieht wie folgt aus: Ich beschreibe eine Web-Animation, die ich gerne hätte und gebe ein paar Infos zu den Elementen. Nach ein paar Sekunden spuckt mir ChatGPT den gewünschten Code aus. Eingesetzt, ausprobiert, wunderbar.

Anderes Beispiel: Fehlersuche im Code. Wo Generationen von Entwickler:innen früher auf der Suche nach einem fehlenden “}” noch regelmäßig verzweifelt sind, genügt jetzt ein kurzer Check mit Kollege GPT. Problem gelöst, und jede Menge Zeit und Nerven gespart.

Level 2: AI als Website-Konzepter

Soweit, so (inzwischen) normal. Ein Level höher, und man könnte der KI die komplette Denkarbeit in der Konzeption der Website überlassen. Seitenstruktur? In Sekunden erstellt. Texte? Klar, hier kommen sie. Bilder? Auch kein Problem. (Spoiler: Hier wird das Problem mit AI schon sichtbar.)

Level 3: AI als Webdesign-Komplettlösung

Texte, Bilder, bisschen Code – alles ganz nett. Aber was wäre, wenn die AI einfach die ganze Website baut? Auch das geht inzwischen, und dafür gibt es unzählige Webservices – ob von Hostinger, Jimdo oder Wix, um nur einige zu nennen.

Exemplarisch habe ich mal den Anbieter 10web.io getestet, der mutig mit dem Statement wirbt: “Build your website in 1 minute with AI”.

Und tatsächlich, nachdem ich meinen Namen, meine Branche und eine kurze Beschreibung eingegeben habe, kam innerhalb von ein paar Sekunden eine fertige Website heraus: Design, Texte, interaktive Elemente wie Slider, … alles funktioniert. Natürlich müsste man die Seite noch mit echten Inhalten befüllen (denn leider habe ich noch nicht für Google, Amazon, Microsoft und Apple gearbeitet), aber der technische Aufbau und das Design sind vorhanden.

Das Problem mit dem Mittelmaß

Würde man jetzt noch etwas Zeit in den Content stecken, eigene (oder KI-generierte) Texte und Bilder hochladen und die Seite veröffentlichen, hätte man tatsächlich eine ganz passable Website.

Und genau darin liegt das Problem.

Die Website wäre okay. Aber nicht gut.

"Die Mittelmäßigkeit ist ab jetzt kostenlos.”

Mit diesem Satz beschreibt Nick Law von Accenture das große Problem der AI-Revolution.

Den KI-Modellen stehen enorme Datenschätze zur Verfügung. Aber sie sind eben auch darauf getrimmt, sich diese Menge an Daten anzuschauen und dann etwas zu generieren, was dem Durchschnitt entspricht. Nicht besonders kreativ, riskant oder ausgefallen  – generisch eben, wie es der Name irgendwie schon sagt.

Dadurch, dass diese Tools allen gleichermaßen zur Verfügung stehen und es keinerlei Aufwand mehr bedeutet, sie (zumindest auf rudimentäre Art und Weise) zu benutzen, ist durchschnittlicher Inhalt quasi nichts mehr wert.

Und das im Übrigen ganz unabhängig davon, ob er von einem Menschen oder einer KI erstellt wurde.

Originalität ist das neue Gold

Die große Frage ist: Will ich - und viel wichtiger: kann ich – es mir als Unternehmen in einem umkämpften Markt leisten, einen durchschnittlichen Markenauftritt zu haben und durchschnittlichen Content zu veröffentlichen?

Wer aus der Masse herausstechen will, muss originell sein. Und gerade in Zeiten von AI und zunehmender Technologisierung ist es umso wichtiger, Charakter zu zeigen. Das Menschliche. Das Echte.

Das kann eine Bildwelt sein, die bewusst anders ist und nicht zu perfekt aussieht. Das können Website-Texte sein, die statt trockener Fakten mit Witz oder einzigartigen Sprachbildern eine ganz eigene Welt kreieren. Und das kann ein Website-Layout sein, was nicht nach 0815 schreit, sondern sich von allem anderen abhebt.

Mensch & Maschine vs. Maschine

Dazu kommt, dass auch Suchmaschinen wie Google zunehmend Inhalte abstrafen, die offensichtlich “AI-Spam” sind.

Paradox, aber wahr: Die eine Künstliche Intelligenz sperrt die Inhalte der anderen Künstliche Intelligenz aus.

Denn AI-Texte erkennt man: An generischen Aussagen, komplizierten Formulierungen und fehlender Persönlichkeit. Und das ist nicht, was Menschen im Internet suchen.

Was lernen wir daraus? Qualität schlägt weiterhin Quantität – und wer sichtbar sein will, muss sich Mühe geben. Künstliche Intelligenz kann uns den Alltag erleichtern, unsere Arbeit effizienter machen, uns bei der Ideenfindung helfen.

Aber für Resultate abseits des Durchschnittlichen braucht es kreatives Denken, das über das Durchschnittliche hinaus denkt.

Und diese Kreativität bleibt am Ende Aufgabe (und Privileg) von uns Menschen – zumindest noch für eine Weile.

Portrait von Fabian Walter
Ich bin Fabian Walter, Webdesigner aus Karlsruhe.
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